Das wundervolle deutsche “Hilfe”system

Immer mal wieder ist das deutsche “Hilfe”system Thema und jetzt will auch ich mal meinen Senf dazu geben.
Ich bin, wie ja bereits bekannt ist, Autistin. Meine Autismustherapie, die ich bis vor kurzem noch hatte, wurde mir im denkbar ungünstigsten Zeitpunkt entrissen. Doch anstatt die Not anzuerkennen schicken einen die zuständigen Behörden in eine Antragswüste und sorgen so für noch mehr Stress, mit ihren gefühlten 100 Stellungnahmen, die sie fordern und ihrem Antrag, der im üblichen Amtsdeutsch verfasst ist.

Dazu kommt für Leute, die gerade neu in dieses Antragstheater rutschen, dass sie erstmal herausfinden müssen, wer zuständig ist. Das kann je nachdem das Sozialamt, die Krankenkasse oder vielleicht auch das Arbeitsamt sein.
Hat man das zuständige Amt erstmal gefunden, darf man sich auf dasselbe Zuständigkeitspingpong bei den Sachbearbeitern einstellen. Bis man dann irgendwann an den Richtigen geraten ist, wird man mit gefühlt 1000 Personen verbunden.

Das hat mir erneut gezeigt, dass das deutsche HIlfesystem das “Hilfe” im Namen nicht verdient. Anstatt die Not der Menschen, die sich teilweise schon mehr als verzweifelt auf die Suche nach Hilfe begeben, anzuerkennen, werden sie von Anträgen und Forderungen erschlagen und es wird ihnen noch mehr Stress aufgebrummt.
Dieser in dem Zusammenhang wirklich vollkommen idiotische Wust an Bürokratie, raubt so unglaublich vielen Menschen die letzte Kraft.
Von vielen kommt, wenn man ihnen sein Leid klagt, der gut gemeinte Rat: “Hol dir Hilfe.” Aber das ist einfach gesagt.

Wer sich Hilfe holen will, der muss den Behörden zunächst mal beweisen, dass er sie nicht grundlos damit “belästigt. Als wäre der Schritt, sich Hilfe zu holen, für viele nicht schon genug Überwindung.

Um allen hier mal zu verdeutlichen, was “sich Hilfe holen” hier in Deutschland heißt:

1. Anträge stellen
2. Die zumeist undeutlich formulierten Anträge ausfüllen
3. Vermutlich Gutachten erstellen lassen
4. Für Schritt 3 überhaupt erstmal einen Psychologen/Psychiater finden
5. Diesem dann die Gesamte Situation erklären
6. Hoffen, dass der Psychologe/Psychiater die Stellungnahme gut schreibt
7. Das Gesamtpaket bei den zuständigen Behören einreichen
8. Wochenlanges Bangen, ob der Antrag bewilligt wird
9. Wenn nicht Widerspruch einlegen

Im Idealfall hat man das Prozedere nach ein paar Wochen durch, im schlimmsten Fall kann es aber auch bis zu 1 1/2 Jahre dauern, bis die erhoffte Hilfe endlich losgeht.

Wenn man sich das mal ansieht, wundert es niemanden, wieso viele sich das alles nicht zutrauen. Wer um Hilfe ringt, ist meistens schon so gut wie am Ende seiner Kräfte. Das Deutsche “Hilfe”System fordert teils unmögliche Dinge von Hilfebedürftigen. Ich gehe mittlerweile sogar so weit, mich zu fragen, bei wie vielen Suiziden dieses “Hilfe”System mitverantwortlich ist.

Ich bitte euch, wenn ihr das hier lest, mit mir dafür einzustehen, dass das endlich aufhört! Lasst uns ein solidarisches Gesundheitssystem schaffen! Wer denkt, dass es ihn ja nichts angeht, der sollte eins bedenken: Eine Behinderung oder ein psychisches Problem kann jeden treffen! Ein vernünfiger Weg an Hilfen zu kommen, ist somit für jeden von uns von Interesse.

Könnt ihr alle mal aufhören, mich zu stressen?

Eine Frage, die sich vermutlich jeder mit Depression und so ziemlich jeder Autist oder jede Autistin schon mal gestellt hat. Der Titel ist absichtlich so provokant gewählt, denn ich finde, dass darauf endlich einmal aufmerksam gemacht werden muss.

Viele von euch werden sich jetzt vermutlich fragen, worauf. Es muss darauf aufmerksam gemacht werden, dass man Menschen, die dringend Hilfe brauchen, nicht noch weiter in den Stress hineinzieht, etwa durch gefühlt Millionen Anträge von Ämtern oder durch 20 Arzttermine pro Woche. Das deutsche Hilfesystem, verdient das “Hilfe” im Namen nicht (aber dazu später mehr), es verdient ihn nicht einmal annähernd.

Ja, was ich hier schreibe, ähnelt einem Hilfeschrei und ich weiß, dass ich im Moment reichlich viele davon ablasse. (an dieser Stelle mal einen Dank an meine lieben Follower, die mir so gut zuhören und versuchen zu helfen) Aber ich weiß, dass ich damit nicht allein bin. Man kann Menschen, die am Ende ihrer Kräfte sind nach jahrelanger Überlastung nicht einfach mal in Ruhe lassen, nein: Dann muss man sich gefühlt jede Woche neu krankschreiben lassen, obwohl man irgendwann nicht mehr weiß, was man dem Arzt eigentlich sagen soll, man muss zu irgendwelchen Ämtern rennen und versuchen, sich Hilfe zu holen oder zurückzuerkämpfen, man muss im besten Fall noch irgendwelche Gutachten erstellen lassen usw. Die Liste ließe sich endlos fortführen.

Dieses System kennt kein: “Ich kann nicht mehr” oder ein: “Ruh dich erstmal aus”. Das Einzige, was in diesem System interessiert, ist, wann du endlich wieder arbeitsfähig bist und wieder für die großen (Konzern)Chefs Kohle scheffeln kannst.

Es interessiert nicht, ob du vielleicht eine Pause brauchst und was nötig wäre, um dich dauerhaft zu stabilisieren. Es interessiert nur, ab wann du wieder gerade so auf den Beinen bist, um arbeiten zu gehen.

Das muss aufhören! Besinnen wir uns einmal wieder auf Solidarität, Menschlichkeit und Verständnis und hören wir auf, solche Dinge, wie sie oben stehen, totzuschweigen!

Offener Brief an alle Eltern

Liebe Eltern,

eine immer wieder entflammende Diskussion auf Twitter brachte mich auf die Idee, diesen Brief an euch zu verfassen, vor allem an jene unter euch, die Sorgen haben im Bezug auf die viel diskutierte Inklusion.
Ich bekomme sie beinahe jeden Tag mit, die Diskussionen um Inklusion oder nicht oder vielleicht nur die Schüler, die besonders gut sind, usw.

Die Argumentation ist häufig, dass Kinder mit Behinderungen die “normalen” Kinder beim Lernen stören würden. Was das angeht, gibt es mittlerweile Studien, die dies widerlegen, außerdem: Sollte man sich nicht einmal Gedanken machen, woher der Gedanke, jemand könnte einen Anderen dabei stören, Leistung zu erbringen, überhaupt rührt?

Es ist die Leistungsgesellschaft, die viele von uns so denken lässt. Die Anforderungen und der ständige Wettbewerb, der daraus resultierende Druck, den die Kinder großteils von kleinauf mitgegeben bekommen.

Gibt es nicht sehr viel wichtigere Dinge als Leistung? Als eine bestimmte Zahl auf dem Zeugnis? Toleranz und Akzeptanz für die Vielfalt, die unsere Gesellschaft mitbringt zum Beispiel? Was wäre da wirkungsvoller als gelebte Inklusion? Es gäbe nichts besseres, um Berührungsängste abzubauen und um ein solidarisches und verständnisvolles Miteinander zu schaffen. Vielfalt ist eine Bereicherung für jeden von uns!

Aber es gibt noch mehr Dinge, die mir auf dem Herzen liegen: Haben nicht alle Kinder/Jugendlichen und Erwachsene dieselben Rechte? Das Recht der Teilhabe? Das Recht, mitten in der Gesellschaft zu sein und nicht ausgeschlossen zu werden?
Hat nicht jedes Kind dasselbe Recht auf Bildung?

Indem Parallelgesellschaften weiterhin gefordert und gefördert werden, werden die Bildungschancen von unglaublich vielen Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen enorm geschmälert. Sie haben oft nicht dieselben Möglichkeiten wie andere Kinder, müssen sich häufig mit Vorurteilen, die es gerade bzgl. solcher Parallelgesellschaften zuhauf gibt, abquälen und kommen so sehr viel schwerer an beispielsweise Ausbildungs und Praktikumsplätze. Wo bleibt da die Chancengleichheit? Wünschen sich nicht alle Eltern, dass das Kind möglichst gut durchs Leben kommt? Daher möchte ich euch Eltern einmal vollkommen wertfrei die Frage stellen, wie es für euch wäre, wenn ihr wüsstet, dass euer Kind von vorneherein benachteiligt wird, wenn es um so elementare Dinge wie Bildung geht.

Ich möchte euch noch eine Sache mit auf dem Weg geben, die für mich sehr wichtig ist. Allzu oft lese ich davon, dass Inklusion gescheitert und vor die Wand gefahren worden sei, ich möchte dazu noch ein paar Gedanken mit euch teilen:
Inklusion selbst ist nicht gescheitert. Es gab sie noch nicht und in ganz seltenen Fällen, findet man vielleicht 1-2 Beispiele, die annährend in die Richtung gehen. Inklusion ist ein Lebensmodell und bezieht sich nicht ausschließlich auf Schule und Arbeitsplatz, sondern auf uns als gesamte Gesellschaft.

Die Politik fährt Inklusion im Moment absichtlich gegen die Wand, zumindest sehe ich das so und ich bin mir sicher, dass viele, die sich damit schon länger intensiv beschäftigen, meine Meinung teilen. Inklusion ist ein willkommener Sündenbock für die reichlichen Kürzungen im Bildungsbereich, die es über Jahre hinweg gab. Inklusion ist ein sehr kontroverses Thema und eignet sich daher gut, um über die wahren Probleme und die wahren Schuldigen hinwegzutäuschen.

Nicht Inklusion ist das Problem. Es ist das marode Schulsystem insgesamt, es sind die fehlenden gut Ausgebildeten Fachkräfte, es sind die veralteten (Lern)Methoden und die viel zu großen Klassen.

Mit diesen Worten verabschiede ich mich von euch. Ich möchte euch bitten, diesen Text zu verbreiten und vielleicht einmal zu versuchen, Inklusion zu leben. Es ist nicht schwer und kommt jedem Einzelnen zugute, auch euch.

Was nicht in 140 Zeichen passt…

 

Dieses Bild brachte mich dazu diesen Text zu schreiben. Es gibt Dinge, die ich abseits der 140 Zeichen Grenze einfach mal in aller Deutlichkeit niederschreiben wollte und musste:
 

Ich musste schon oft lesen, dass viele das Leben verlernt hätten. Sie haben es verlernt einfach Spaß zu haben, nichts zu tun oder einfach mal nur das zu tun, was sie selbst wollen. Und ja: tatsächliches Leben ist in dieser Gesellschaft nicht erwünscht. Man dient als Arbeitskraft für die, die ohnehin genug haben, rackert sich selbst ab und macht sich für irgendwelche gierigen Konzernchefs kaputt.
Es ist mir unbegreiflich, wie Menschen bei dem unsäglichen Leid, welches verursacht wird, um einem Prozent der Menschheit mehr und mehr wortwörtlich in den Rachen zu schieben, einfach zusehen können.

Immer und immer wieder flammt diese Diskussion über diese Gesellschaft gerade dann auf, wenn es um vermehrt auftretende Burnout-Fälle in immer jüngeren Jahren geht oder wenn es wieder einmal darum geht, wie früh man Kinder in Kitas geben können soll. Wir geben unseren Kindern diesen Dreck, der sich Leistungsgesellschaft nennt mit auf den Weg und wundern uns, über so manche Art des Umgangs, die auf Schulhöfen vorherrscht. Warum herrscht dieser Ton wohl vor? Von Beginn an wird uns eingeimpft, dass wir in Konkurrenz stehen, statt solidarisch miteinander zu leben. Wer nichts leistet, ist nichts wert. Das, was diese Gesellschaft Kindern vermittelt, ist letztlich das, was wir dort sehen.
Wir wundern uns, dass bereits Grundschulkinder Bauchschmerzen bekommen, als psychosomatische Reaktion auf all diesen Scheißdreck, den diese Gesellschaft einem abverlangen will und das am besten immer früher.

Ja, am besten kannst du nach nur einem Monat laufen. Kindheit? Das ist was für Weicheier! So was braucht doch niemand! Natürlich werden jetzt viele, vielleicht sogar alle, die das lesen denken: „Natürlich braucht man eine Kindheit, es ist super wichtig Kind zu sein!“, aber dann mal bitte Hand aufs Herz: Wie viel Kindheit bleibt Kindern in der heutigen Zeit denn noch? Die Kinder sollen möglichst früh in die Kindertagesstätte, damit die Mutter auch ja schnell wieder berufstätig werden kann, vollkommen gleich ob das Kind schon bereit dafür ist und ob es nicht vielleicht auch zumindest ein Elternteil als erreichbare Bezugsperson braucht.

Schule und Kindheit? Unvereinbar mittlerweile. Wenn ich mir ansehe, was schon Grundschulkinder teilweise leisten sollen und nebenher noch an Hausaufgaben mal eben so hinbekommen sollen, wird mir im wahrsten Sinne des Wortes schlecht!
Stundenlanges Lernen oder an den Hausaufgaben sitzen ist schon lange keine Seltenheit mehr. Spielzeit in jeglicher Form gibt es kaum bis stark verkürzt.

Dazu kommt die Erziehung. Damit meine ich die Erziehung der Schule. Sie erzieht nicht zur Mündigkeit. Schule ist auch nicht demokratisch. Schule ist autoritär mit klaren Hierarchien und soll die Kinder zu braven Ja-Sagern erziehen, nichts weiter. Die Lerninhalte sind klar definiert, Mitbestimmungsrecht? Fehlanzeige! Denn die Lerninhalte sind auf die Wirtschaft abgestimmt und die, sowie die dort sitzenden Obrigkeiten können keine Menschen gebrauchen, die alles hinterfragen, denn täten sie das, dann kämen sie ja schnell dahinter, dass hier viel nicht mit rechten Dingen zugeht. Sie brauchen auch keine Menschen, sondern im Idealfall Maschinen, die ununterbrochen laufen können.

Alles in allem muss man nur mit offenen Augen durch die Welt gehen und man sieht an jeder Ecke, was in dieser Gesellschaft alles falsch läuft. Menschen, die betteln müssen, weil das Geld nicht reicht, Renter*innen, die Pfandflaschen sammeln müssen, um zu überleben, sexistische Werbung im Fernsehen/auf Plakaten, einfach weil es sich besser verkauft, Umweltverschmutzung an jeder Ecke, „recycelt“ wird lieber in Afrika, statt in Deutschland, wo es die Mittel gäbe um zum einen sehr viel mehr wiederverwendbar zu machen und zum anderen das Ganze ohne bleibende Umweltschäden ginge, weil es denen, die das Geld haben zu teuer ist und sie ihren Profit lieber in das 100. neue Auto stecken wollen. Das nur, um mal einige Beispiele zu nennen.

Wie lange wollen und können wir über alldas noch hinwegsehen? Wann wird endlich etwas dagegen unternommen? Wann unternimmt die Gesellschaft etwas? Muss sie dafür wirklich erst komplett zusammenbrechen, damit es die Letzten endlich begreifen?

Merkt ihrs nicht?? Ein kleiner Rant

Ich habe wirklich das Gefühl, ich müsste hier einige vielleicht mal wachrütteln oder es zumindest versuchen. Denn ich habe das Gefühl, dass einige es wirklich nicht merken.

Sie merken nicht, wie sich diese Gesellschaft und auch wie sie sich selbst zugrunde richten. Ich deutete gestern ja kurz an, dass wer immer den zuletzt beschriebenen Tagesablauf als normal betitelt, sich ernsthaft Gedanken machen sollte, darüber, in welche Richtung diese Gesellschaft gerade geht.

Es ist also normal, dass Kinder 10 Stunden täglich unter Stress stehen? Es ist also normal, dass mittlerweile Grundschulkinder in Kliniken wegen Burnouts eingeliefert werden? Es ist also normal, dass Kur und Rehaanträge, aber auch Selbstmordraten stetig steigen?

Mitnichten! Nichts von dem beschriebenen ist ein gesunder Normalzustand! Ich vermute, dass da bei so manchem der Generationenkonflikt hochkommt, aber wer sich mal ein paar Minuten Zeit nimmt, der wird verstehen, worauf ich hinaus will. Es ist in den letzten Jahren so einiges schlimmer geworden und ich behaupte, dass dieser Zustand mittlerweile einen Höhepunkt erreicht hat, den nicht nur ich mit großer Sorge betrachte:

  • Das soziale Netz wird ausgedünnt
  • Druck in Schule und Arbeit stetig erhöht
  • Wettbewerbsdruck durch Globalisierung schlägt sich immer mehr nieder, auch im Bezug auf Löhne, Arbeitsbedingungen usw.
  • Arm wird gegen arm ausgespielt

Und jetzt wollt ihr mir sagen, dass das normal ist? Dass all das bisher aufgeführte überhaupt nichts außergewöhnliches ist?

Wenn ihr mir das sagen wollt und wirklich ernsthaft daran glaubt und festhaltet, werdet ihr euch vermutlich auch dann wundern, wenn das passiert, was passieren muss, nämlich dass die Strukturen der Gesellschaft irgendwann wie ein Kartenhaus zusammenfallen! Für mich gibt es, bei dem was hier derzeit schon von Kindesbeinen an verlangt wird, keinen Grund, mich darüber zu wundern! Es ist ein Szenario, auf das wir zusteuern und ich rate euch, die ihr das wirklich als normal verkaufen wollt, dass ihr einmal ernsthaft logisch darüber nachdenkt!

Inklusion? Ach wirklich?

Ich hoffe zunächst, dass alle, die diesen Post oder generell meinen Blog verfolgen, gut ins neue Jahr 2017 gerutscht sind.

Leider heißt es trotz des neuen Jahres immer wieder alte Themen aufzugreifen, anzusprechen, zum Thema zu machen, denn nur, weil wir ein neues Jahr haben, hat sich leider sonst nicht unbedingt viel zum Besseren verändert.

Ich selbst war in einer Inklusions bzw. einer sog. Kooperationsklasse, daher auch der leicht hämische Titel, denn ich werde hier über meine Erfahrungen berichten und hoffe, dass ihr vielleicht ein paar Kommentare da lasst.

Ich kam auf eine normale Regelschule, war zuvor auf einer Sonderschule gewesen, die nun mit jener Regelschule eine Kooperation begann, um eine Art Pilotprojekt zur Umsetzung der Inklusion zu starten. Anhand des Titels erkennt man vermutlich schon, worauf das hinauslief:

  1. Anpassung bis zum Erbrechen
  2. Nur bedingtes Verständnis seitens der Lehrer
  3. Eine nur sehr spärliche Rücksichtnahme auf mich als Autistin

Das sind die wesentlichsten Punkte, die ich hier ansprechen möchte. Nochmal für diejenigen, die es vielleicht noch nicht wissen: Inklusion bedeutet nicht, dass der Mensch mit Behinderung sich anzupassen hat, bis es nicht mehr geht! Inklusion bedeutet Rücksichtnahme und zwar auch von den Menschen ohne Behinderung! Inklusion heißt Akzeptanz und Toleranz, nicht: “Setz dir eine Maske auf, damit du ja nicht auffällst”

Nun zu Punkt 2: Wer sich Inklusion auf die Fahne schreibt, kann nicht erwarten, dass der Mensch mit Behinderung dasselbe zu leisten hat, wie der Mensch ohne Behinderung und sich ohne Rücksicht auf Verluste anzupassen und alles wegzustecken hat! Wer das verlangt, der wird nicht nur der auf die Fahne geschriebenen Inklusion nicht gerecht, er zeigt dem Mensch mit Behinderung das, was man mit Inklusion eigentlich abschaffen will: Dass er falsch ist und sich gefälligst der Norm anzupassen hat, da das ja das einzig richtige ist.

Um euch einmal zu verdeutlichen, wieso ich das hier schreibe, möchte ich euch hier mal meinen Tagesablauf aus dieser Zeit schildern:

  • 4:30 Uhr aufstehen
  • 5:40 losgehen
  • ca. 6:00 1 1/2 Stunden fahren (3 insgesamt pro Tag)
  • 6 Std Schule
  • um ca 13 Uhr wieder losgehen
  • Um ca 15:00 Uhr Zuhause
  • wenn ich 8 Stunden hatte, zog sich das Ganze bis 17 Uhr hin, was also 12 Stunden entspricht

Man sieht also, dass mein Tag aus mindestens 10 Stunden bestand, die ich unter stetem Stress stand. Davon abgesehen hatte ich dann weder gelernt, noch Hausaufgaben gemacht. Diese Angaben entsprechen lediglich dem Schulalltag, ohne näher auf Lernen oder Hausaufgaben einzugehen, die sich auch manchmal noch 1 Stunde zogen.

Last but not least gehe ich noch kurz und bündig auf meinen 3. Punkt ein. Auch wenn ich das mangelnde Verständnis bereits erwähnte, halte ich es für notwendig, diesen Punkt nochmal speziell aufzugreifen. Bei einem Rollstuhlfahrer oder einer Rollstuhlfarerin würde niemand nachfragen, dass er oder sie Hilfe benötigt. Bei einem Autisten allerdings sieht das ganze etwas anders aus:

Bei einem Autisten sieht man ihm den Autismus zumeist nicht an, es ist keine sichtbare Behinderung, auch die Barrieren auf die ein Autist stößt, sind für die nichtbehinderten Menschen zumeist unsichtbar. Sie sehen nicht, wie sehr er unter Stress steht und wie sehr ihn das anstrengt, sich dauernd anpassen und eine Maske aufziehen zu müssen.

Als Autistin bin ich also darauf angewiesen, dass man mir zuhört und mir Verständnis entgegenbringt. Leider war oft das Gegenteil der Fall, denn man sieht ja nicht, wie sehr diese Scharade anstrengt und wenn man ehrlich ist: Ein solcher Tag ist schon für einen nichtbehinderten Menschen die Hölle und selbst wenn das mittlerweile unter Normal fällt, dann würde ich mir mal Gedanken machen, in welche Richtung das hier alles geht.

Die “Heilung” von Autismus was Autisten darüber denken

Ich melde mich nochmal kurz zum Jahresabschluss mit einem für mich wichtigen Thema, das in letzter Zeit vermehrt wieder Anklang bei unsicheren Eltern zu finden scheint.

Der Diätenwahn greift wieder um sich und Behauptungen, durch Diäten Autismus “heilen” zu können, nehmen wieder zu. In dem Zuge sehe ich mich jetzt in der Pflicht, dazu einmal etwas zu schreiben und meinen Teil zur Aufklärung diesbezüglich beizutragen.

Denn es ist nicht nur so, dass es völliger Schwachsinn ist, welcher da gepredigt und gepriesen wird, von wegen man könne Autismus durch Diäten heilen, es hat einen anderen Hintergrund, das ich hier schreibe, einen Hintergrund, den ich noch sehr viel wichtiger finde:

Mit dem nicht-akzeptieren des Autismus und dem für mich noch schlimmeren Wunsch, diesen zu heilen, nehmt ihr dem Kind/Erwachsenen einen Teil seiner bzw. ihrer Persönlichkeit!

Ohne den Autismus wären wir nicht die Menschen, die wir sind.Ihr wollt damit einen elementaren Teil der Persönlichkeit des Autisten “heilen”. Findet ihr so etwas ethisch vertretbar? Wie fändet ihr Nichtautisten es denn, würde man euch einen Teil der Persönlichkeit nehmen und diesen “heilen” wollen? So etwas halte ich nicht für vertretbar und ich möchte den Appell an alle Eltern richten:
verbiegt eure Kinder nicht! Ihr seid Vorbilder für eure Kinder und müsst in dieser Funktion Inklusion vorleben. Bringt euren Kindern nicht bei, dass sie sich gefälligst anzupassen haben, sondern macht ihnen Mut, damit sie sie selbst sind und bleiben!

Inklusion – ein Menschenrecht!

Auf Twitter gab es vor nicht allzu langer Zeit eine lange, lange Tweetkette zum Thema Inklusion und die Option Förderschule, da die jetzige “Inklusion” schlecht sei.

Dazu seien schon einmal zwei Dinge vorweg gesagt:

  • Förderschulen und Inklusion sind UNvereinbar
  • Die jetzige “Inklusion” ist schlichtweg keine Inklusion

Ich habe selbst Erfahrungswerte dahingehend und weiß: viele schreiben sich Inklusion auf die Fahne, aber nur wenige bis gar keine dieser Institutionen und Vereine setzen es tatsächlich um.

Ich selbst war auf einer Regelschule, welche sich Inklusion auf die Fahne schrieb, ja auch ich bin wütend darüber, dass man hier Inklusion propagiert, die keine ist und ja in gewisser Hinsicht tat mir das wirklich nicht immer gut ABER: Für den Fall, dass ich je Kinder hätte, wäre die Förderschule für mich trotzdem keine Option.

Inklusion ist ein Kampf! Und dieser Kampf kann nicht dadurch gewonnen werden, dass man Parallelgesellschaften, wie Förderschulen, dadurch unterstützt, dass man diesen Zulauf bietet!

Dieser Kreislauf wird dadurch begünstigt, dass sich Lehrkräfte auf Regelschulen oft weigern, Inklusion tatsächlich umzusetzen und auf die Bedürfnisse einzugehen, die ihnen die Kinder mitteilen. Dadurch wird diese vermeintliche Notoption überhaupt erst impliziert und in Betracht gezogen. Ebenso fehlen die finanziellen Mittel, um Schulen entsprechend auszustatten, es fehlt an mancher Stelle auch an Räumen, um kleinere Klassen zu ermöglichen usw.

Es wird auch eine Spaltung betrieben. Anstatt dass man dafür wirbt und gemeinsam daran arbeitet, ein gutes Lernklima zu schaffen, haben viele Eltern Angst, ihr Kind würde dadurch dass dann auch Menschen mit Behinderungen in der Klasse sind, weniger lernen. Das ist quatsch und anstatt diese Spaltung weiterhin voranzutreiben, wäre es sehr viel gewinnbringender für alle Seiten, an einem vernünftigen Lernumfeld zu arbeiten und mitzuwirken!

Man sollte darauf aufmerksam machen, was hier im Schulsystem generell falsch läuft und das ist bei weitem nicht nur die Inklusion. Es ist grob gesagt das ganze Schulsystem!

Und um als Abschlusswort noch mal auf den Titel einzugehen: Inklusion ist KEINE Gnade, Inklusion ist, seit Deutschland die UN-Behindertenrechtskonvention unterschrieben hat, ein Recht, welches jeder Mensch mit Behinderung beanspruchen kann, unabhängig davon, ob andere es ihm “gewähren”!

 

 

 

 

Behinderte Menschen und das Gelaber vom minderwertigen Leben

Es ist eigentlich mehr als traurig, dass ich es für nötig erachten muss, hierüber zu bloggen und dennoch scheint es aus gegebenem Anlass notwendig.

Wie vielleicht einige über die Medien mitbekommen haben, gab es wieder einen Anschlag auf Menschen mit Behinderungen in Japan, sowie wieder mal das unbestätigte Gerücht, dass der Amokläufer in München Autist gewesen sein soll.

Ich möchte mich nun einmal zu den genannten Dingen äußern:

Zum einen frage ich mich wirklich, was in Köpfen der Menschen vorgeht, die behaupten, dass das Leben von Menschen mit Behinderungen wertlos bzw minderwertig sei. Das Leben, egal ob behindert oder nichtbehindert ist ein Geschenk und niemand hat das Recht, ein Leben minderwertig zu nennen!

Diese Leben sind keinesfalls minderwertig. Jeder Mensch ist wertvoll und verdient es, zu leben. Um zu beschreiben, was ich über Menschen, die eine derartige Weltsicht haben und so von oben herab auf Menschen mit Behinderungen schauen denke, fehlen mir gerade die Worte. So unfassbar empfinde ich derzeit die Dinge, die aktuell passieren und es zeigt eins: Der Mensch lernt nichts aus der Geschichte.

 

Nun zum Autismus-Gerücht bzgl des Attentäters in München:

Ich weiß nicht, warum seit dem Attentat in Newton 2012 beinahe jeder Amoklauf ein von der Presse oder anderweitig durch soziale Medien gestreutes Gerücht braucht, wonach der Amokläufer angeblich Autist sei.

Solche Berichte zerstören jahrelange Arbeit, die Behindertenrechtsaktivisten leisten, mal abgesehen davon, dass sie völliger Schwachsinn sind und zumeist eine Anhäufung von Klischees!

Ich würde niemals Menschen töten-und viele andere Autisten, die ihr damit diskriminiert ebenfalls nicht. Die Medien stellen Autisten somit quasi schon unter Generalverdacht, diskriminieren sie und machen das Outing egal wo für sie noch schwerer.

Daher mein Appell an die Medien: Bitte unterlasst diese Spekulationen bzgl. unbestätigten Autismus Verdacht und selbst wenn dieser jemand Autist gewesen sein sollte, so stellt bitte nicht alle mit Verallgemeinerungen unter Generalverdacht. Gerade Autisten sind oft sehr ehrliche Menschen.

 

 

 

Erneute Diskussion über ABA mit Aktion Mensch

Monate hat sich das jetzt aufgestaut und der Versuch Aktion Mensch aufzuklären, ist aufgrund von Ignoranz gegenüber uns Autisten gescheitert. Im vergangenen Jahr hat Aleksander Knauerhase an einer Podiumsdiskussion mit der Aktion Mensch teilgenommen, doch er selbst kam kaum zu Wort. Es war nicht schwer erkennbar, dass sie ihn versuchten umzustimmen und unter anderem dabei auch zu enormen Dreistigkeiten griffen, wie ihn zu bedrängen und zu drohen, dass er aufpassen solle, was er hinterher verbloggt.

Vor etwa drei Wochen wurde eine Aktion gestartet, um der Wut und dem Frust von uns ein Gesicht zu geben, worauf Aktion Mensch mit einem Blogbeitrag reagierte, der wiederum alles andere als objektiv war und eindeutig zeigte, dass sie nicht das geringste Interesse haben, an einer Interaktion mit uns und der Frage warum wir, als diejenigen die es unmittelbar betrifft, dagegen sind. Viel eher versuchten sie mit ihrem Blogbeitrag zu manipulieren, allen voran mit der Aussage, dass ABA eine medizinisch anerkannte Therapie sei.

Nun frage ich mich aber ernsthaft, wie eine Therapie als anerkannt gelten kann, in der Studenten als “Co Therapeut” eingesetzt werden und in der es einzig und allein darum geht, dem Kind weder Privatsphäre noch Ruhe noch die Möglichkeit zu lassen, sich irgendwie anderweitig (z.B. durch Interessen oder Spielsachen) zu beruhigen?

Man nimmt dem Kind jegliche Bezugspersonen und sämtliche Dinge, die ihm Spaß machen, von Persönlichkeitsrechten ganz zu schweigen und gibt sie dem Kind dann als “Belohnung” für das ihrer Meinung nach korrekte Verhalten. Kommt das nicht in etwa dem Konzept eines Leckerlis bei einem Hund nach?