Ich hoffe zunächst, dass alle, die diesen Post oder generell meinen Blog verfolgen, gut ins neue Jahr 2017 gerutscht sind.

Leider heißt es trotz des neuen Jahres immer wieder alte Themen aufzugreifen, anzusprechen, zum Thema zu machen, denn nur, weil wir ein neues Jahr haben, hat sich leider sonst nicht unbedingt viel zum Besseren verändert.

Ich selbst war in einer Inklusions bzw. einer sog. Kooperationsklasse, daher auch der leicht hämische Titel, denn ich werde hier über meine Erfahrungen berichten und hoffe, dass ihr vielleicht ein paar Kommentare da lasst.

Ich kam auf eine normale Regelschule, war zuvor auf einer Sonderschule gewesen, die nun mit jener Regelschule eine Kooperation begann, um eine Art Pilotprojekt zur Umsetzung der Inklusion zu starten. Anhand des Titels erkennt man vermutlich schon, worauf das hinauslief:

  1. Anpassung bis zum Erbrechen
  2. Nur bedingtes Verständnis seitens der Lehrer
  3. Eine nur sehr spärliche Rücksichtnahme auf mich als Autistin

Das sind die wesentlichsten Punkte, die ich hier ansprechen möchte. Nochmal für diejenigen, die es vielleicht noch nicht wissen: Inklusion bedeutet nicht, dass der Mensch mit Behinderung sich anzupassen hat, bis es nicht mehr geht! Inklusion bedeutet Rücksichtnahme und zwar auch von den Menschen ohne Behinderung! Inklusion heißt Akzeptanz und Toleranz, nicht: “Setz dir eine Maske auf, damit du ja nicht auffällst”

Nun zu Punkt 2: Wer sich Inklusion auf die Fahne schreibt, kann nicht erwarten, dass der Mensch mit Behinderung dasselbe zu leisten hat, wie der Mensch ohne Behinderung und sich ohne Rücksicht auf Verluste anzupassen und alles wegzustecken hat! Wer das verlangt, der wird nicht nur der auf die Fahne geschriebenen Inklusion nicht gerecht, er zeigt dem Mensch mit Behinderung das, was man mit Inklusion eigentlich abschaffen will: Dass er falsch ist und sich gefälligst der Norm anzupassen hat, da das ja das einzig richtige ist.

Um euch einmal zu verdeutlichen, wieso ich das hier schreibe, möchte ich euch hier mal meinen Tagesablauf aus dieser Zeit schildern:

  • 4:30 Uhr aufstehen
  • 5:40 losgehen
  • ca. 6:00 1 1/2 Stunden fahren (3 insgesamt pro Tag)
  • 6 Std Schule
  • um ca 13 Uhr wieder losgehen
  • Um ca 15:00 Uhr Zuhause
  • wenn ich 8 Stunden hatte, zog sich das Ganze bis 17 Uhr hin, was also 12 Stunden entspricht

Man sieht also, dass mein Tag aus mindestens 10 Stunden bestand, die ich unter stetem Stress stand. Davon abgesehen hatte ich dann weder gelernt, noch Hausaufgaben gemacht. Diese Angaben entsprechen lediglich dem Schulalltag, ohne näher auf Lernen oder Hausaufgaben einzugehen, die sich auch manchmal noch 1 Stunde zogen.

Last but not least gehe ich noch kurz und bündig auf meinen 3. Punkt ein. Auch wenn ich das mangelnde Verständnis bereits erwähnte, halte ich es für notwendig, diesen Punkt nochmal speziell aufzugreifen. Bei einem Rollstuhlfahrer oder einer Rollstuhlfarerin würde niemand nachfragen, dass er oder sie Hilfe benötigt. Bei einem Autisten allerdings sieht das ganze etwas anders aus:

Bei einem Autisten sieht man ihm den Autismus zumeist nicht an, es ist keine sichtbare Behinderung, auch die Barrieren auf die ein Autist stößt, sind für die nichtbehinderten Menschen zumeist unsichtbar. Sie sehen nicht, wie sehr er unter Stress steht und wie sehr ihn das anstrengt, sich dauernd anpassen und eine Maske aufziehen zu müssen.

Als Autistin bin ich also darauf angewiesen, dass man mir zuhört und mir Verständnis entgegenbringt. Leider war oft das Gegenteil der Fall, denn man sieht ja nicht, wie sehr diese Scharade anstrengt und wenn man ehrlich ist: Ein solcher Tag ist schon für einen nichtbehinderten Menschen die Hölle und selbst wenn das mittlerweile unter Normal fällt, dann würde ich mir mal Gedanken machen, in welche Richtung das hier alles geht.

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